Dienstag, 19 Uhr vor dem Rewe-Markt.
Da stehen sie nun, die Gegner von S21. Nach letzter Woche nun zum zweiten Mal. Grob geschätzt 30 Personen haben sich zusammengefunden, und Punkt 19 Uhr geht der Lärm für etwas mehr als eine Minute los. Trillerpfeifen und die unsäglichen, seit der WM gehassten Vuvuzelas sind am Start, und natürlich K21-Banner (die machen wenigstens keinen Lärm). Danach wird noch einige Male “Oben bleiben!” skandiert, ehe sich die kleine Ansammlung wieder auflöst.
Ich verstehe ja wirklich jeden, der aus welchen Gründen auch immer gegen Stuttgart21 ist – ebenso wie auch auch die Argumente der Befürwörter weder ignorieren kann oder möchte. Sprich: Ich bin in der Sache weitgehend neutral. Und wenn man mich zur Entscheidung zwingen würde, würde ich die S21-Schilder nicht anfassen.
Komplett unklar ist mir aber, was dieser “Schwabenstreich” in Stammheim erreichen möchte. Inzwischen dürfte wohl wirklich jeder mitbekommen haben, dass es um Stuttgart21 eine nicht kleine Auseinandersetzung gibt, wobei wie gewohnt jede Seite sich die Fakten so hindreht, wie es grade am besten passt. Aber neue Anhänger werden die Protestierenden dadurch wohl eher nicht erreichen, eher wird das Gegenteil der Fall sein.
Leute, geht nach Stuttgart zur Demo, bleibt friedlich, klettert nicht auf Bäume, meckert die Polizisten nicht blöd an (die sind im Einzelfall auch dagegen, müssen aber ihrem Job nachgehen) und stört den Verkehr nicht. Aber lasst doch die Stammheimer in Ruhe. Weder die noch der Wunsch nach K21 profitieren von dieser “Demo” und dem damit verbundenen Lärm. Wenn es denn wenigstens ein ordentlicher Flashmob wäre, aber davon ist die Aktion weit entfernt.


